30. September 2015

Geburtsbericht

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich über die Geburt meiner Tochter Mina schreiben soll, da die Geburt ein sehr persönlicher und intimer Moment ist. Da aber nun einige auf Instagram gefragt haben, wann nun mein Geburtsbericht kommt, werde ich mich nun ran trauen.Eine Warnung vorab: Es wird nichts schön geredet ;-)
Es fing alles am Montag (9 Tage vor der Geburt) nachmittags, nach der Akupunktur an. Mein Mann holte mich ab und wir spazierten zusammen Heim. Auf dem Weg spürte ich Unterleibsschmerzen, ein Ziehen und einen komischen Druck nach unten. Diese Schmerzen tauchten im Laufe des Nachmittags immer wieder kurz auf, allerdings nahm ich diese noch gar nicht ernst. 
Da es meine erste Schwangerschaft war, hatte ich natürlich keine Ahnung wie sich Wehen anfühlen. Am Abend waren wir bei meinen Schwiegereltern zu Besuch. 
Dort wurde im Laufe des Abends der Schmerz stärker, sodass ich mich immer wieder abstützen musste. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, da ich keine Panik auslösen wollte. Gegen 22 Uhr sind wir zum Flughafen gefahren, da wir einen Freund abholen mussten. Auf dem Weg dorthin kamen die schmerzen regelmäßig und stärker, sodass ich schon mitatmen musste und alles um mich herum nicht mehr wahr nahm. Als wir endlich daheim ankamen um eventuell ins Krankenhaus zu fahren, waren die schmerzen wie weg gezaubert und kamen die Nacht über auch nicht mehr. Am nächsten Tag fing das Spiel von vorne an und ich holte mir eine Wehenzähler-App um die Zeitabstände zu dokumentieren. Eine Wehe dauerte ca. 60 Sekunden, war aber trotzdem sehr unregelmäßig. Da in allen Lehrbüchern und im Internet steht, dass Wehen nur regelmäßig kommen, waren wir sehr verwirrt. Dieses nette und schmerzhafte Spiel zog sich die ganze Woche weiter. Wir fuhren nach 3 Tagen ins Krankenhaus um endlich die Gewissheit zu haben, ob es sich bei diesen Schmerzen um Wehen handelt. Am CTG angeschlossen, konnte man keine Wehen erkennen. Mein Muttermund war grad mal 1 cm geöffnet und mein kleines Mädchen noch nicht in mein Becken gerutscht. Die Ärztin bestätigte uns allerdings dass es sich um Eröffnungswehen handle und diese immer wieder verrückt spielen können. Sie war noch zuversichtlich und verabschiedete uns mit: Unsere Schicht geht noch bis 6 Uhr morgens, vielleicht sehen wir uns später. Von wegen! Leider war ich nun auch über meinen Geburtstermin (01.07.) und die schmerzen kamen und gingen. Die tagelangen 40 Grad ließen meine Hände und Füsse anschwellen und mehr als 2-3 Stunden Schlaf bekam ich auch nicht mehr. Am Montag ( nach 7 Tagen "Eröffnungswehen") entschieden wir uns mit meiner Frauenärztin die Wehen am nächsten Tag einleiten zu lassen. Nach 7 Tagen war alles immer noch unverändert. An diesem Tag gingen wir mit einem komischen Gefühl Nachhause. Es war definitiv die letzte Nacht zu zweit. Ich verbrachte die Zeit mit aufräumen und rum räumen. Auch an dieser Nacht bekam ich nur 3 Stunden Schlaf.
Am nächsten Tag wurden mir um 12 Uhr mittags die Wehen anhand eines Gels eingeleitet. Das Gel brannte, war aber sonst völlig in Ordnung. An diesem Tag gingen wir bis zum Abend im Krankenhaus spazieren. Ich musste alle 2 Stunden zum CTG, ansonsten hieß es Laufen, Laufen, Laufen. Um 18 Uhr wurde mir die 2. Ladung eingeführt. Gegen 19 Uhr gingen die Schmerzen dann richtig los. Zu diesem Zeitpunkt waren das starke Schmerzen für mich. Wir sind weitere Male durch das Klinikgelände gelaufen, alle paar Minuten mit Wehenstopps, in denen mein Mann mich super unterstützt hat und mit mir gemeinsam die Wehen veratmet hat. Mein Befund hatte sich bis dahin immer noch nicht verändert. 
Um 0 Uhr hatte ich das letzte CTG in dem trotz starker Schmerzen immer noch nichts zu sehen war. In meinem Zimmer, drehte und wendete ich mich im Bett und hielt die Schmerzen kaum aus. Als mir meine App einen regelmäßigen Abstand von 5 Minuten anzeigte, ging ich um 3 Uhr nachts in den Kreissaal. Dort empfing mich eine unfreundliche ältere Hebamme, die meine Schmerzen nicht ernst nahm und mich mal wieder am CTG anschloss. Leider war mein Befund immer noch unverändert. Ich hab es kaum mehr ausgehalten mit diesen Schmerzen und die Hebamme will mir erzählen, dass ich nix habe? Das unfreundliche runter spielen der Hebamme hat mir noch den Rest gegeben. Im Zimmer angekommen, konnte ich nicht mehr von der Toilette runter. Die nächsten 2 Stunden entleerte sich mein Darm ganz ohne Darmspülung. Die Wehen wurden immer stärker und ich zweifelte, woher sollte ich nur die Kraft für die Geburt nehmen. Ich hatte 24 Stunden weder gegessen noch geschlafen und war mit meinen Nerven wirklich am Ende. An diesem Morgen spazierten wir immer wieder durch das Krankenhausgelände. Ich bekam alle 2 Minuten so starke Wehen, dass ich dann beim Laufen in Ohnmacht fiel. Gott sei Dank fing mich mein Mann auf und rüttelte mich wach. Ich holte mir eine Kugel Erdbeereis und versuchte diese zwischen den Wehen zu essen. Die Wehen wurden so stark, dass ich vor fremden Personen anfing zu stöhnen und die Wehen weg zuatmen. Ich dachte nie, dass ich mich vor Fremden so gehen lassen könnte. Wir kamen sehr schwer und langsam im Kreissaal an, wo es zu meinem Glück einen Schichtwechsel gab. Eine nette Hebamme sah mich und schickte mich direkt in ein Geburtszimmer. Ich hatte laut CTG endlich alle 2 Minuten wehen und mein Muttermund war 4cm geöffnet. Die künstlichen Wehen waren für meinen Körper viel zu Stark und ich war meiner Hebamme dankbar als sie eine PDA anbot. Es dauerte keine Stunde und die PDA wirkte wunder. Ich konnte nicht glauben, dass diese so schlimmen Schmerzen auf einmal weg waren. Ab 14 Uhr begann dann die offizielle Geburt. Meine Hebamme lies meine Fruchtblase platzen und die Presswehen begannen. Es war dank der PDA so entspannt, dass wir uns unterhalten konnten und ich auch etwas trinken konnte. Vor der Geburt musste ich mich leider Übergeben. Meine Mann war die ganze Zeit an meiner Seite und zu dritt arbeiteten wir gemeinsam zu unserem Ziel hin. Die Presswehen waren auch schmerzhaft, allerdings konnte ich noch Kraft sammeln um endlich die Ziellinie zu erreichen. Mein Ehemann sowie die nette Hebamme motivierten mich und machten mir Hoffnung.
So brachte ich am Mittwoch, den 08.07.2015 um 18:04 Uhr unsere wunderschöne Tochter Mina mit 51 cm, 3370g und einem Kopfumfang von 36 cm auf die Welt.
Das war das schmerzhafteste und schönste Ereignis meines Lebens. 
Der Kampf hat sich gelohnt, allerdings hat es gedauert bis ich dieses Ereignis verarbeiten konnte.
Ich kann nur von einer Einleitung abraten, wenn diese nicht wirklich notwendig ist. 
Die künstlichen Wehen waren einfach zu schmerzhaft. Ich bin mir sicher, dass es ohne die Einleitung nur halb so schlimm gewesen wäre.

xoxo Lamia